Bein-OP – gibt es in PY die richtigen Schraubendreher???

Etwa 3 Monate vor unserer Ausreise nach PY, hatte sich Toobi beim Schlittenfahren!! mit der Jungschar das Sprunggelenk gebrochen. Um Spätfolgen zu vermeiden, haben die Ärzte geraten, den Bruch mit einer Platte und ein paar Schrauben zu stabilisieren, die nach einem Jahr wieder entfernt werden sollten. Damals kamen schon Fragen auf wie: Gibt es in einem unterentwickelten Land wie PY entsprechende Fachärzte? Und wie sieht es mit dem passenden Werkzeug aus, um die 7 Schrauben zu entfernen?”.

Sehr erleichtert waren wir, als wir einen Spezialisten für Knie- und Sprunggelenksthemen von unserem hiesigen Hausarzt empfohlen bekamen. Und doch – die Spannung blieb bis zuletzt – waren auf dem Rezept für die OP-Werkzeuge tatsächlich nicht alle benötigten Schraubendreher vermerkt. Im letzten Gespräch vor der OP konnte ich den Arzt darauf hinweisen und es noch ergänzen lassen, weil ich bei diesem Thema auch durch meinen Schwager Sebastian sehr sensibilisiert war – Vielen Dank dir, lieber Sebastian.  

Damit das benötigte Werkzeug rechtzeitig aus der Apotheke besorgt werden konnte, musste es bis spätestens 2 Tage vor der OP bezahlt werden. Nur so wäre es gewährleistet, dass sie überhaupt stattfinden könne.  

Wir können uns glücklich schätzen, dass wir mit einer internationalen Krankenversicherung abgesichert sind und so die Kosten für die OP einreichen können. Vielen Menschen hier im Land ist es nicht möglich, so eine OP selbst zu bezahlen, und die meisten haben nicht einmal eine Versicherung. Sie werden dann nur “notdürftig” versorgt. In meinem Fall würde es ohne OP einfach zusammenwachsen mit eventuellen Spätfolgen. 

So erging es beispielsweise einem jungen Mitarbeiter hier im Kinderheim. Nach einem schweren Motorradunfall verlor er ein Bein und sitzt seitdem im Rollstuhl. Das Knie, an dem noch vorhandenen Bein, war nach dem Unfall falsch zusammengewachsen und verursacht bei jeder Belastung sehr starke Schmerzen. Hätte er damals das Geld für eine richtige OP aufbringen können und nicht nur die Notfallversorgung bekommen, dann wäre jetzt wenigstens sein zweites Bein in Ordnung. (Übrigens, trotz seiner starken Einschränkung und den sehr einfachen Gegebenheiten im Kinderheim, hat er als Mitarbeiter in der Schule und im Heim, mitten unter den Kindern, seinen Platz gefunden, den er mit Freude ausfüllt.) 

Hier wird uns wieder einmal neu bewusst, wie gut es uns in Deutschland ging, in Bezug auf die ärztliche Grundversorgung. 

Erst einige Tage später haben wir erfahren, dass die OP gut verlaufen war. Gott sei Dank konnte Toobi kurz nach Mitternacht trotz einiger unerwarteter Gegebenheiten das Krankenhaus verlassen. Er war komplett schmerzfrei und durfte sich nach der ersten Woche wieder ohne Gehilfen bewegen.  

Wir sind sehr erleichtert, dass auch dieses Thema einen guten Abschluss gefunden hat!