Es war nicht das erste Mal, dass die 13-jährige Mia (Name geändert) notfallmäßig von uns aufgenommen wurde. 

Vorgeschichte 

Bereits im Mai war sie nach wiederholter Misshandlung durch ihre “Stiefmutter” in die Nachbarschaft geflüchtet, wo sie bei einer Nachbarin untertauchte, bis sie am darauffolgenden Tag wegen einer Vermisstenanzeige durch ihren Bruder polizeilich gesucht wurde. Nachdem sie bei der Polizei vorgestellt wurde, wollte die Nachbarin sie nicht wieder bei sich aufnehmen, aus Angst vor der “Familie” der 13-Jährigen. In Absprache und mit Erlaubnis der verantwortlichen Personen, nahmen wir sie über das WE erst einmal zu uns, bis ihr Fall am darauffolgenden Montag von der zuständigen Behörde bearbeitet werden konnte. Wir waren sehr verwundert, als uns später die Nachricht erreichte, dass sie vom offiziellen Amt bei ihrer alkoholabhängigen Mutter untergebracht wurde. Nur wenige Tage später entdeckten wir sie dann wieder in “unserem Armenviertel”, weil das Leben bei ihrer Mutter nicht möglich war. Zu guter Letzt erfuhren wir, dass ihr vermeintlicher Vater gar nicht ihr Vater, sondern eine der vielen Liebschaften ihrer Mutter war. Er nahm Mia einfach mit in seine spätere Beziehung, aufgrund der Alkoholabhängigkeit der Mutter. Sie hatte also niemanden, der in irgendeiner Weise für sie einstand, während sie neben dem Schulalltag als Kindermädchen und Arbeitskraft eingesetzt wurde. So musste sie z.B. schon seit Jahren in der Hitze an den Ampeln stark befahrener Straßen Autoscheiben putzen oder Lollis verkaufen, während ihre Stiefmutter unter Schattenbäumen saß und sie beobachtete, darauf wartend, dass sie das Geld bei ihr ablieferte.  

Mia sehnt sich nach einem sicheren Zuhause, wo sie Vieles lernen kann und träumt davon, eines Tages Rechtsanwältin zu werden.

Als sie kurz darauf in der Familie ihres Bruders das gleiche Muster erlebte und nach mehrfacher Misshandlung bei der nächsten Nachbarin Hilfe suchte, brachte diese sie auf Grund von Atemnot in die Klinik. Gott sei Dank wurde kein Organschaden festgestellt. Wie bereits im Vorherigen BLOG-Eintrag (hier) berichtet, erreichte uns an dieser Stelle der Anruf ihrer Defensora (Rechtsbeistand), woraufhin wir sie aus der Klink abholten … Mia hatte sehr große Angst, dass sie wieder in eines ihrer vorherigen Umfelder zurückgeschickt werden könnte. 

Da wir Mia bereits seit 1 Jahr begleiten, ist sie uns sehr ans Herz gewachsen. Wir sind sehr erleichtert, dass diese Notsituation nicht schon eher entstanden ist, weil es in unserem Umzugschaos unmöglich gewesen wäre, sie bei uns aufzunehmen. Nach einer knappen Woche, möchte ihre Defensora M. überbrückungsweise bei einer erfahrenen Spezialistin unterbringen, um weitere Schritte besser entscheiden zu können. Glücklicherweise hat diese bereits zwei jugendliche Mädchen, die Mia sehr herzlich aufnehmen, wodurch sie sich sehr schnell in dieser Familie adaptieren kann.  So ist die Entscheidung schnell getroffen, dass es nicht nur eine Durchgangsstation sein würde, sondern ihre “neue Familie”. 

Wir freuen uns sehr für Mia über diese Lösung, weil es laut ihrer Defensora in PY nahezu keine Bereitschaft gibt, Kinder in ihrem Alter aufzunehmen. (Ausnahmen gibt es natürlich, wenn sie als kostenlose Arbeitskraft oder gar zur Prostitution missbraucht werden!)

So können wir uns jetzt  auf unsere drei ersten Gäste aus unseren Familien aus Deutschland konzentrieren, die kurz darauf aus Deutschland eintreffen…

 

Kleiderspende …

Wir sind wirklich beeindruckt, da diese Familie in materieller Armut lebt, aber trotzdem M. diese offene Haustüre bietet. So haben wir beschlossen, dass wir sie weiterhin begleiten und unterstützen, um sicher zu gehen, dass sie am Ende nicht doch in der Armutsspirale hängen bleibt. Gleichzeitig möchten wir dadurch aber auch ihre neue Familie unterstützen. Erst letzte Woche konnten wir sie mit einem großen Sack Kleidung von eurer Sammelaktion aus Deutschland komplett neu einkleiden. Das war eine große Freude, weil ihre Herkunftsfamilie ihr nach Aufforderung der Defensoria nur versiffte und vermoderte Kleidung aushändigte : (  

Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie viel Freude und Segen ihr mit eurer genialen Sammelaktion für verschiedenste Kinder und ganze Kinderprojekte bereits bereitet habt. ♥♥