Erneuter Kulturschock?

Toobi hatte seinen ersten Kulturschock gut überstanden und in vielen Bereichen haben wir uns schon an die Gegebenheiten der Kultur angepasst. Doch – war es vielleicht nur ein Wunschgedanke?  

Diese Frage geht Toobi durch den Kopf, wenn wir mehrmals in der Woche in den Armenvierteln in der Hauptstadt unterwegs sind, um in verschiedenen Projekten mitzuarbeiten. Fee kennt solche Arbeiten und Gegebenheiten bereits aus ihrer einjährigen Mitarbeit in den Elendsvierteln von Südafrika und trotzdem gehen auch ihr all diese Begegnungen ziemlich nahe.

Die Eindrücke berühren tief – man kann sich kaum vorstellen, dass Menschen unter solchen Umständen leben (müssen).

Aber erst einmal der Reihe nach… 

Nachdem wir mittlerweile wieder in Asunción angekommen waren, war es uns wichtig, einen Einblick in die Umstände der Kinder in den Armenvierteln der Hauptstadt zu bekommen. Dort möchten wir durch unsere Mitarbeit weitere wichtige Erfahrungen sammeln, gleichzeitig aber auch die einheimischen Mitarbeiter entlasten und ermutigen, wie bereits in den Kinderheimen. So bewegte es uns sehr, als wir Alejandro (Name geändert), einem uns bis dahin unbekannten 27-jährigen Einheimischen begegneten, der uns völlig unerwartet noch am selben Tag in ein solches Armenviertel – Chacarita genannt – einlud. Vor einem Monat hatte er die Leitung dieser Arbeit, die bereits seit 5 Jahren besteht, übernommen.

Wir sind sehr dankbar, dass wir hier mitreingenommen wurden, von ihren Erfahrungen lernen und uns bereits tatkräftig mit einbringen dürfen. 

Hier gibt es Kinder, die fröhlich spielen und freudestrahlend grüßen, aber auch solche, die teilnahmslos und tieftraurig vor sich hinstarren und kaum ansprechbar sind. 

Bei den kalten Temperaturen laufen die einen mit viel zu großen Jacken herum, die weit über die Knie reichen, andere mit zerrissenem T-Shirt, kurzen Hosen, strümpfig oder nur mit Flipflops. Ein kleines Kind ist an seine ältere Cousine angelehnt und kann vor lauter Frieren nichts essen ...

Ein etwa fünfjähriges Mädchen isst das übriggebliebene Essen von mehreren Tischnachbarn auf (insgesamt 3 volle Teller), weil es nicht weiß, wann es das nächste Mal wieder etwas zu Essen bekommt. 

Bei manchen Kindern ist es schwer, sie wieder nach Hause zu entlassen, weil ihnen das Elend ins Gesicht geschrieben steht. Aufgrund der Hoffnungslosigkeit haben hier in den Armenvierteln viele Eltern Alkohol- und Drogenprobleme, was neben der Armut natürlich auch noch häusliche Gewalt und Missbrauch zur Folge hat, was die Hoffnungslosigkeit für die Kinder nur noch größer macht. Sie können nie wissen, was sie zu Hause erwartet, wenn sie die Türschwelle betreten. Aus solchen Gründen wachsen manche der Kinder bei einer Tante oder Oma auf, die meistens ebenfalls im Armenviertel leben.

Kurzsichtig betrachtet scheint es, als wäre alles was man hier tut, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aus der Perspektive, dass keines dieser Kinder etwas dafür konnte, dass es dort geboren wurde und dennoch jedes Kind ein wertvolles, individuelles Geschöpf Gottes ist, wie du und ich, ist keine Hilfe und Aufmerksamkeit vergeblich. Und doch ist es so wichtig verstehen zu lernen, wie man diesen Kindern nicht nur eine kurzfristige Unterstützung bringt, wie eine warme MZ und warme Kleidung, sondern wie man ihnen langfristig helfen kann, dass sie auch Licht und Hoffnung für die Zukunft bekommen und nicht selbst in der Tretmühle der Armut und Gewalt festgehalten werden und später selbst zu Tätern werden. Daher ist es sehr wertvoll für uns, mittlerweile zwei Arbeiten zu kennen, die mit einer langfristigen Vision unter den Ärmsten der Armen arbeiten, von deren Erfahrungsschatz wir profitieren dürfen.

 

Morgen (Samstag) steht ein großes Event im Armenviertel an, da  “Día del niño” / “Tag des Kindes” hier in PY gefeiert wird. Es werden einige Hundert Kinder erwartet und wir sind schon sehr gespannt auf die Aktion…