Nachdem wir außerhalb von Asunción, in der Nähe einiger Privatschulen endlich eine Wohnmöglichkeit zur Miete gefunden hatten, besuchten wir in unserem neuen Wohnort nach und nach die verschiedenen Wohnviertel, und bekamen so einen ersten Eindruck von der Lebenssituation der Kinder vor Ort.
Aktuelles
So erfuhren wir u.a. von zwei “armen Vierteln”, in denen viele Familien stark unter den Folgen von Drogenproblemen leiden, was natürlich enorme Auswirkungen auf das Leben der Kinder hat.
Wir bewegten die beiden Fragen, wie wir beginnen könnten, um in einem der Viertel Kontakte zu den Familien und zu deren Kinder zu bekommen, gleichzeitig aber auch, wie wir Einheimische dafür gewinnen könnten, die diese Arbeit mittragen und mitgestalten, damit Potenzial zum Wohl der Kinder freigesetzt werden kann.

Da wir erfuhren, dass es in einem der beiden Viertel, eine kleine christliche Gruppe mit einem großen Raum gibt, die den Kindern bereits wöchentlich ein kleines Kinderprogramm mit einer warmen Mahlzeit anboten, baten wir sie, ob wir ihre Räumlichkeiten mitnutzen dürfen, um den Kindern auch hier, bei Bedarf die Möglichkeit zu geben, das Lesen und Schreiben zu erlernen. Wir waren echt überwältigt, mit wieviel Begeisterung sie dieses Angebot für ihr Wohnviertel annahmen. Sowohl die Mitarbeiter als auch einige Jugendliche boten uns sofort ihre Unterstützung an.
Anfangs begannen wir mit einer kleinen Gruppe von 7 Kindern zwischen 6 und 11 Jahren, von denen selbst die Ältesten nicht einmal Teile des Alphabets kannten. Mit der Zeit kamen immer mehr Kinder dazu, so dass neue kleine Gruppen entstanden. Eine kleine Gruppe wird ab August bereits von einer einheimischen Mitarbeiterin übernommen, die unser Arbeitsmaterial nutzen wird.
Mit der Zeit bemerkten wir, dass wir im Hintergrund immer wieder von größeren Jungs zw. 11 und 13 Jahren beobachtet wurden. Sie wirkten schüchtern. Kürzlich erfuhren wir, dass sie auch gerne Lesen und Schreiben lernen würden, sich aber aus Scham wegen ihres Alters nicht trauten, sich unseren Gruppen anzuschließen – ebenso ein jung verheirateter Mann.
Toobi hat sie vor Kurzem eingeladen, zusammen mit ihm eine neue Gruppe für die “Älteren” zu starten, um ihnen das neue “Wagnis” zu erleichtern. Die meisten von ihnen hatten zugesagt. Es bleibt spannend, ob sie nach den aktuellen Winterferien das Angebot wirklich annehmen werden.

Langfristiges Ziel
Unser langfristiges Ziel ist es u.a. einzelnen Kindern später die Möglichkeit zu geben den Sprung auf eine der 4 Privatschule hier im Ort zu ermöglichen.
Bereits in unserem vorherigen Wohnort in der Hauptstadt hatten wir dieses Ziel angestrebt, als wir realisierten, dass das Bildungsniveau der staatlichen Privatschulen so niedrig ist, dass so vielen Kindern sogar diese grundlegende Basis fehlt, das Lesen und Schreiben. Damals hatten wir noch keine Ahnung, welcher krasser logistischer Aufwand es sein würde, die Kinder von einem “Armenviertel” bis zur Privatschule in einem Nachbarviertel zu transportieren…
Aufgrund der 4 Privatschulen hier im Ort, wird es für die Kinder solche logistischen Stolpersteine glücklicherweise nicht mehr geben.
Da die Kinder ohne Bildung den Sprung aus der Armut gar nicht herausschaffen können, ist es uns ein großes Anliegen ihnen diese Basis zu geben und sie auf ihrem weiteren Weg zu begleiten, Unterstützung und Förderung zu ermöglichen und damit auch eine Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu schenken.
