Fünf Stunden Fahrt…
…dann der Moment, in dem Mia (Name geändert) uns aus dem Auto steigen sieht – und merkt, dass ihre Mutter nicht dabei ist. Man sieht ihr augenblicklich an, dass dieser Gedanke wie ein Stich durchs Herz ging. Wie sehr sehnte sie sich doch immer noch nach der Liebe ihrer Mutter, nur um wieder einmal mehr zu realisieren, dass sie ihrer Mutter nichts zu bedeuten scheint.
Am Haus ihrer Mama
Wir waren morgens noch im Armenviertel gewesen, um ihre Mutter und ihren kleinen Halbbruder abzuholen – wie abgesprochen. Doch ihre Mutter hielt es scheinbar nicht für nötig, ihre Tochter zu sehen. Ein paar Tage zuvor hatte sie uns im betrunkenen Zustand den Besuch abgesagt. Trotzdem hatten wir gehofft – vielleicht würde sie sich nüchtern an all ihre Versprechen erinnern…
Nach anfänglichen Tränen der Enttäuschung, begann Mia zu strahlen. Immer und immer wieder betonte sie, wie froh sie sei, hier zu sein – im Heim mit 130 anderen Kindern und Jugendlichen. Hier konnte sie in den letzten Monaten vieles Praktische lernen und hat glücklicherweise gut den Anschluss in der Schule geschafft, nachdem sie durch das ganze Chaos in ihrem Leben schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr regelmäßig in der Schule gewesen war. Außerdem hat sie neue Freundinnen gefunden und Vorbilder, die ihr sagten:
“Du bist nicht das Opfer deiner Familie!! – Es ist Zeit, selbst Verantwortung für dein Leben zu übernehmen…”
Inzwischen ist Mia fünf Monate dort. Von Anfang an war ein Besuch bei ihrer Mutter im Armenviertel und bei uns über die Winterferien (Juli) geplant – doch neue Heimregelungen erlaubten Besuche nur noch in den großen Sommerferien.
So war es uns ein Anliegen Mia wenigstens zu besuchen, um ihr nicht das Gefühl zu geben, sie sei von der “Außenwelt” komplett vergessen. Wir möchten ihr auch von in der Zukunft eine Rückenstärkung bieten, damit sie nach ihrem 18. Lebensjahr eine Anlaufstelle hat, von der aus sie sich orientieren und studieren gehen kann. Noch immer träumt sie davon Rechtsanwältin zu werden, um sich für die Rechte der Schwächeren einzusetzen…

Fast ein ganzes Jahr hatten wir darauf hingearbeitet, für Mia eine echte Perspektive zu finden. Sie jetzt so strahlend, dankbar und hoffnungsvoll zu sehen, war Lohn und Motivation zugleich – ja, es lohnt sich wirklich, in einzelne Kinder und Familien zu investieren, auch wenn der Weg meist steinig ist und es einen langen Atem braucht.
Zurück in Asunción befinden wir uns gerade in einem weiteren, spannenden und langatmigen „Familien”-Projekt mit zwei Geschwisterkindern aus einem unserer Kinderprojekte – darüber möchten wir in naher Zukunft auch berichten…