Vor Kurzem erreichte uns der Anruf eines Freundes, der für 3 Geschwister im Alter von 9 – 12 Jahren dringend Hilfe suchte. Die Eltern waren beide vor einigen Jahren ins Gefängnis gekommen, woraufhin die Kinder von einer Tante, ohne die Zustimmung ihres Ehemannes trotz der eigenen 3 Kinder, aufgenommen wurden. Die beiden Mädchen waren u.a. wegen mehrfachem sexuellen Missbrauch schwerst traumatisiert gewesen und konnten es ohne Medikamente nicht mehr aushalten. Seit einiger Zeit nahmen sie mit ca. 50 weiteren Kindern aus der Siedlung regelmäßig an einem Kinderprogramm einer christlichen Gemeinde teil, wo sie nicht nur richtig aufgeblüht sind, sondern auch wieder medikamentenfrei wurden.
Eines Tages stellte der Ehemann dieser Tante, seine eigene Frau plötzlich vor die Wahl: “Wenn du dich weiter um diese 3 Kinder kümmern willst, dann packe ich unsere 3 gemeinsamen Kinder ein und gehe! Beides geht nicht!” Schweren Herzens entschied sie sich für ihre eigenen Kinder. Für ihre Nichten und ihren Neffen musste dringend ein neuer Platz gesucht werden.
Leider konnten auch wir in Rücksprache mit einer Organisation keine Unterbringungsmöglichkeit für die 3 Geschwister finden.
Jetzt kommt der Hammer, der uns fassungslos machte:
Der Vater dieser Kinder war mittlerweile aus dem Gefängnis entlassen worden. Er wurde ausfindig gemacht und sollte seine 3 Kinder wieder aufnehmen, bis in einigen Wochen ein Gerichtsurteil vielleicht entscheiden soll, ob er für diese Aufgabe geeignet sei oder sie anderweitig untergebracht werden müssen. Er selbst hatte sich damals an seinen eigenen Kindern vergangen!!! Wie um alles in der Welt konnte man das den Mädels antun, sie wieder zurück in die “Löwengrube” zu schicken.
Da die Regierung viel zu wenig Kapazitäten hat, fallen solche Fälle eher unter die Rubrik “harmlos“. Hier könne man sich nur um die wirklich “harten Fälle” kümmern…
Allgemeine Situation im Land
Trotz der großen Not im Land unter den Kindern, kann das System der Regierung nur ca. 900 Fälle aufnehmen, für die dann ein Platz in einer Familie oder einem Heim gesucht wird. Da man hier im Land absolut keine finanzielle Unterstützung für die Aufnahme von Kindern erhält, ist die Bereitschaft Verantwortung für fremde Kinder auf sich zu nehmen leider sehr gering. Unter der armen Bevölkerung ist das durchaus verständlich, weil viele von ihnen (40 %) ohnehin schon unter der Armutsgrenze leben (20% sogar in extremer Armut).
Wir möchten neben der Öffentlichkeitsarbeit der PPF (Paraguay Protege Familia) auch durch unser Vorbild und unsere zunehmenden Beziehungen im Land immer mehr Menschen, auch aus der “oberen Schicht” für dieses Thema sensibilisieren und hoffen, dass es dazu beiträgt, dass immer mehr von ihnen unserem Beispiel folgen und ihre “Herzen” und “Häuser” für vernachlässigte und misshandelte Kinder öffnen werden.