Titelbild: Ein 10-jähriger Junge, der keine Geschwister im Heim hat, sitzt angelehnt an die Wand auf dem Boden neben dem Eingang des Heimes. Das Kätzchen auf seinem Schoß fühlt sich sehr wohl in seiner Nähe – doch sein Blick geht in die Ferne…???
Immer wieder bewegen uns sehr die verschiedensten Schicksale der Kleinen…
Kinder die von Eltern verbrüht wurden oder auf frischer Tat während der “Kinderarbeit” auf der Straße (angeleitet von den eigenen Eltern) erwischt wurden. Kleine Kinder, die bevorzugten, auf der Straße zu leben, weil die Gewalt zu Hause nicht auszuhalten war. Kinder die so übelst missbraucht wurden, dass sie sich einer Operation unterziehen mussten. Kinder, die selbst Kinder zur Welt brachten, weil ihre Eltern sie für Prostitutionszwecke “verkauft” hatten. Kinder, deren alleinerziehende Mütter sie schlicht und ergreifend nicht versorgen konnten, weil sie entweder keinen Wohnraum hatten oder schwer erkrankt waren…
All diese Kinder haben eines gemeinsam: Sie sind bis ins Innerste schwerst verwundet und tragen die Hoffnung in ihrem Herzen einst eine bessere Zukunft zu haben. Viele wollen das Kinderheim nicht mehr verlassen, weil es trotz aller materieller Armut ein Ort der Heilung und Heimat für sie geworden ist. Einige möchten Berufe erlernen, die dem Kinderheim nützlich sein werden, so dass sie die Arbeit langfristig unterstützen können aber gleichzeitig ihr neu gewonnenes Zuhause nicht verlieren müssen… Berufe wie Kinderkrankenschwester, Lehrer, Rechtanwältin, Sozialarbeiter, Psychologin,… Wir sind sehr gespannt, welche dieser Pläne in den nächsten Jahren tatsächlich umgesetzt werden…
Muttertag:
Besonders die Mädels machen sich alle hübsch, weil sie mit ihren Klassen auf dem
Kinderheimgelände etwas aufführen werden. Die Großen sind fleißig am Basteln und am Vorbereiten kleiner Geschenke. Andere backen leckeres Fingerfood, Pinchos, wie man das hier nennt. Diese Festlichkeiten mit den vorbereiteten Geschenckchen und dem Essen soll die Mütter “anziehen”. Der Höhepunkt soll eine Botschaft der 39-jährigen Heimmutter an die Mütter der Schüler sein zu dem Thema, “Was ist eine Familie?” – “Was braucht ein Kind?” Sie vermitteln eigene wertvolle Erfahrungswerte – gepaart mit ermutigendem biblischen Rat zu diesem Thema. Viel zu viele Eltern hier, haben selbst nie ein gutes Familienleben erlebt, weshalb sie es oft auch ihren eigenen Kindern nicht bieten können. Die allermeisten Kinder vom Heim freuen sich so sehr, dass sie Teil dieser “neuen Familie” im Heim sein dürfen, da sie ein harmonisches Miteinander meist nicht kennen. Sie sind sooo stolz auf ihre “neue” “Mami”, wie sie sie alle nennen. Nach der Veranstaltung möchte jedes Kind das im Heim lebt ein gemeinsames Foto mit der Heim-Mami hinter einem Herzchenrahmen aus roten Luftballons machen.
“Heimkehr”
Erst heute sind 4 Schwestern aus der Hauptstadt angereist, die bereits im vergangenen Jahr hier gewesen sind, leider aber vom Amt in ein anderes Heim weitergeschickt wurden. Nach über einem Jahr intensiven Bettelns, durften die 4 Mädels zurückkehren. Es war eine spannende Atmosphäre für uns, weil man es richtig fühlen konnte, dass hier 4 Mädels, “heimgekehrt” waren – überglücklich – heim zu fast 70 anderen Kindern.
Bei allem Schönen, was die Kinder hier erleben, gibt es doch auch Momente, in denen sie herausgefordert sind. Z.B. beim Schlafen gehen, wenn jeder in sein Bett steigt – da ist kein Papa oder keine Mama, die über Freud und Leid des Tages ihren Bub in den Arm nehmen, ihn drücken, Mut zusprechen,… Oder z.B. wenn die Mädchen hier am Muttertag ein Lied vorsingen über Stärke und Mut der Mütter, die sich täglich für ihre Familie aufopfern – gleichzeitig aber von ihrer eigenen Mutter verlassen, nicht ausreichend geschützt oder fallen gelassen worden sind.
Und doch – auch wenn sie nicht in ihrer eigenen Familie leben können: dieses Kinderheim hier ist “das Beste” was ihnen passieren konnte.
Spiele basteln
Neben den Spielen, die wir dem Kinderheim geschenkt haben, werden während unserer Zeit hier immer wieder gemeinsam neue Spiele gebastelt, weil die Kinder außer UNO und Schach keine anderen Tischspiele kennen…

Einige Stunden mussten wir erst einmal investieren, um den Kindern beizubringen, wie man spielt. Nein, es geht nicht nur um die Spielregeln, sondern auch um Disziplin, Rücksichtnahme, Sorgfalt, Verlieren können und Spaß dabei haben,… sind nur ein paar Schlagworte, die beschreiben was die Kinder nie gelernt haben. Das Alter spielt dabei keine Rolle.
Es war eine Freude zu beobachten, wie toll sich die Kinder beim Miteinander entwickelt haben und wieviel Spaß sie dabei hatten.