Trotz aller Gefahren?!!

“Wie mutig seid ihr denn! Noch nie war ich im Armenviertel, obwohl ich hier in der Hauptstadt aufgewachsen bin.
Das ist mir dort viel zu gefährlich.”

Solches und Ähnliches hören wir immer wieder, wenn wir Paraguayern von unseren Einsätzen in den Armenvierteln von ASU erzählen oder von unserem vorherigen Einsatz in einem Kinderheim im Landesinneren, als wir trotz Schlangen (…) wochenlang im Autodachzelt lebten, weil es keine Schlafmöglichkeit für uns gab.

Tatsächlich gibt es nicht nur Gefahren für uns selbst, sondern auch für unser Auto. An unserem ersten Tag im Armenviertel, wurde unsere Beifahrertüre stark verkratzt. Puh, das tat unserem “deutschen ordentlichen Herzen” ganz schön weh. Wie schön, dass es nur bei diesem “einen Mal” blieb. Wenige Tage später staunten wir nicht schlecht, als wir Herzen auf unserer Heckscheibe entdeckten. Natürlich erleichterte uns diese Tatsache, dass uns die Kinder nach anfänglicher Skepsis doch so schnell in ihre Herzen geschlossen hatten und wir uns offensichtlich nicht weiter um unser Auto sorgen müssen ; ) 

 

Essensausgabe und Nachhilfeunterricht 
Vor den Essensausgaben, zu denen ca. 80 bis 100 Kinder kommen, nehmen auch ungefähr 30 bis 40 Kinder völlig freiwillig am Nachhilfeunterricht teil.

Video: Essensausgabe im Armenviertel

Hier versucht man die Kinder ihrem Alter entsprechend in verschiedenen Gruppen zu fördern. Im Bild ein Mädchen, das ganz ehrgeizig versucht, Zahlen zu lernen und in ihr Heft zu übertragen, während sie auf ihr 1 ½ jähriges Geschwisterchen aufpassen muss. Um ihr nicht ständig hinterher springen zu müssen, hält sie es jetzt fest im Arm, während sie mit der anderen Hand fein säuberlich in ihr Heft schreibt. Wir sind sehr beeindruckt von dieser Willensstärke. 

Zu einer anderen Begebenheit hatte Toobi die Gelegenheit, mit einem 12-jährigen Jungen zu lernen, was ungewöhnlich war, da er normalerweise nicht zum “Nachhilfe-Unterricht” kommt. Er schämte sich viel zu sehr, da er nicht einmal das Alphabet richtig kann.

Nachdem Toobi ca. 20 Minuten das Alphabet und Rechenaufgaben bis 20 mit ihm geübt hatte, strahlte er über das ganze Gesicht. Es muss ihm ganz besonders gutgetan haben, dass ein Mann sich Zeit für ihn nahm und ihn während dem gemeinsamen Lernen gleichzeitig vor den verurteilenden Blicken der kleineren Kinder schützte, die bereits deutlich fortgeschrittener waren als er. Anschließend beteiligte er sich noch ganz spontan an unserem Mal-Wettbewerb. Als wir gingen, umarmte er uns 5x und sagte: “Danke, dass du mich vorhin vom Handy weggeholt hast. Ich hatte mit euch viel mehr Spaß und das tat mir gut. Morgen komme ich wieder.”  

So merken wir immer wieder, wie gut es den Kindern tut, wenn sie neben Essen, Kleidung und Unterricht, einfach nur Zeit und Wertschätzung bekommen.

Bild: Toobi mit Jungs beim Dobble spielen

Für uns ist es ein großes Privileg, dass uns Einheimische immer wieder ihre Türen öffnen und wir von ihnen lernen dürfen, wie z.B. in solchen Projekten.